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Autor: Simon Jacob
Ort: Deutschland/München
Kategorie: Artikel
Rubrik: Gesellschaft
Datum: 05.12.2017
Portal: www.zocd.de
Textdauer: ca.2 Minuten
Sprache: Deutsch
Titel: Youthbridge – Ein Zeichen gegen Rassismus und Radikalisierung

YouthBridge – Ein Zeichen gegen Rassismus und Radikalisierung

 

Eine jüdische Organisation sucht den Schulterschluss mit Jugendlichen aus unterschiedlichen Communities, um gegen rassistische und antisemitische Radikalisierung vorzugehen.

Von New York nach München für Demokratie

Bei der Pressekonferenz zum Auftakt der Bildungsoffensive „Youthbridge“, die ihre Wurzeln in New York hat und Jugendliche aus verschiedenen Kulturkreisen zusammenbringen soll, stellte der Träger des Konzeptes, die Europäische Janusz Korczak Akademie, das Projekt in den Räumlichkeiten des Presseclubs in München einem breiten Publikum vor.

Das Projekt ist darauf ausgerichtet, junge Bürgerinnen und Bürger, die z.B. verschiedenen Konfessionen und Kulturräumen angehören, durch gemeinsame Aktivitäten zusammenzubringen. Sportliche Erlebnisse, gemeinsames Kochen oder Seminare, in denen allgemein nützliches Wissen wie beispielsweise das Erstellen von Bewerbungsunterlagen vermittelt wird, stehen im Mittelpunkt. Dies alles hat natürlich auch einen tieferen Sinn. Durch die Interaktion der Jugendlichen mit „dem Anderen“, dem Juden, dem Christen, dem Muslim oder auch Jesiden, sollen Vorurteile abgebaut und die Toleranz gefördert werden. Respekt, Dialog und gegenseitige Akzeptanz in einem säkularen Kulturraum mit seinen demokratischen Grundwerten wie Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Geschlechtergleichheit usw. sind der Schlüssel für eine moderne, nach Frieden strebende Gesellschaft.

Jedenfalls hat sich das die 2009 gegründete jüdische Korczak Akademie so vorgenommen und sich im Wesentlichen dem interreligiösen Dialog verschrieben.

Dass der interreligiöse Dialog unter Jugendlichen bitter nötig ist, zeigt sich nicht nur dieser Tage während der Ausschreitungen im Nahen Osten, nachdem US Präsident Trump angekündigt hatte, die US Botschaft nach Jerusalem zu verlagern. Im Anbetracht der deutsch-jüdischen Geschichte ist der interreligiöse Dialog besonders notwendig, da die Sorge nicht unberechtigt ist, dass ein Abweichen von definierten Normen wieder von Populisten instrumentalisiert wird.

Die Vernichtung der Juden Europas ist mehr als Realität. Sie ist zugleich Sinnbild für das Versagen der Menschheit im Umgang mit Radikalismus, Extremismus und Nationalismus. Den Preis für dieses Versagen hatten Millionen Juden zu bezahlen, die letzten Endes eine neue Heimat aufbauen mussten, welche, unabhängig der politischen Gegebenheiten, einen weiteren Hass auf alles Jüdische entfachte. Dieser hat in den letzten Jahren dramatisch und besorgniserregend zugenommen. Besonders durch den Zustrom junger Flüchtlinge aus dem vorwiegend muslimischen Kulturkreis, in dem das Judentum in Verbindung mit dem jüdischen Staat in breiten Teilen der Gesellschaft verachtet wird, wurde dieser Effekt verstärkt nach Europa importiert.

Wenn man sich nun all diese Entwicklungen vor Augen hält, unabhängig davon was man von der israelischen Nahostpolitik halten mag, kommt man unweigerlich zu dem Ergebnis, dass der interreligiöse Dialog in Europa und auch in Deutschland, hauptsächlich zwischen dem politischen Islam und der Demokratie geführt wird. Darunter leiden alle: junge Muslime, die sich in einer zunehmend vom Populismus geprägten Umgebung zurechtfinden müssen und dieser mit Argwohn begegnen. Aber auch jüdische Mitbürger, die seit Jahrhunderten in Europa leben und mit der israelischen Nahostpolitik nicht viel zu tun haben. Sie trifft der Hass auf Israel besonders, wenn in den sozialen Medien zum Beispiel zum Mord an allen in Europa lebenden Juden aufgerufen wird. Dies wird dann oft von deutschen Muslimen mit nahöstlichen Hintergrund damit gerechtfertigt, dass die Juden Europas für die politischen Handlungen Europas verantwortlich seien.

 

Doch genau hier fängt Extremismus an und konfligiert mit der Demokratie, in der Meinungsvielfalt ein hohes Gut ist.

Dem Projekt ist es zu wünschen, dass die Demokratie mit allen ihren Vorteilen für das Individuum in einem Europa der Chancengleichheit vermittelt werden kann.

Der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland steht hinter den Zielen des Projektes. Als freier Journalist, der von der Pressefreiheit profitiert, tue ich das ebenfalls.

Gefördert wird das Projekt durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration sowie das Bundesprogramm „Demokratie leben“. Kooperationspartner sind die Allianz und der Kreisjugendring München-Stadt. Der zweite Bürgermeister der Stadt München, Josef Schmid, ist Schirmherr des Projektes.

Weitere Informationen sind auf der Webseite der Korczak Akademie zu finden. Das Projekt sucht für Mai 2018 Jugendliche für eine neue Gruppe.

 

Simon Jacob
München, 05. Dezember 2017