Autor: Manuela Woywode
Ort: Deutschland
Format: Text, Video
Thema: Politik, Religion, Minderheiten
Datum: 01.12.2022
Portal: www.zocd.de  
Textdauer: ca. 3 Min
Videodauer: 110 Min
Sprache: Deutsch
Titel: Gedenkveranstaltung: Trauma orientalischer Christen damals und heute – Erinnerung bewahren – Heilung erfahren
Bildquelle: ZOCD e.V., Suroyo TV

 


Gruppenbild auf der Gedenkveranstaltung: Trauma orientalischer Christen damals und heute – Erinnerung bewahren – Heilung erfahren
(Bildquelle: ZOCD)

 

Gedenkveranstaltung: Trauma orientalischer Christen damals und heute – Erinnerung bewahren – Heilung erfahren

 

Am 19. November kam es zum ersten Mal im Herzen Europas, in der St.Quintin Kirche in der Stadt Mainz zu einem Zusammentreffen von Christinnen und Christen aus ganz Deutschland, um ein Zeugnis von dem abzulegen, was für lange Zeit von der westlichen Welt ignoriert wurde. Es wurde gemeinsam an das erinnert, was orientalische Christinnen und Christen heute noch bedrückt. Ihre Gedanken, ihre Ängste, ihre Verletzungen, ihre Trauer, ihre Wut und ihr Schmerz, ausgelöst durch das kollektive Schicksal, Genozide in der eigenen Geschichte erlebt zu haben. Bedrohungen von Extremisten und die Instrumentalisierung ihrer Angst von Populisten immer noch zu erleben, haben im Rahmen dieser Veranstaltung Gehör gefunden. Letztendlich wurde es längst Zeit dafür. Es wurde Zeit, dass wir zuhören. Doch um wahrlich zuzuhören, braucht es Verständnis und für Verständnis braucht es Menschlichkeit.

Es war eine intensive Veranstaltung, die den Raum der Kirche mit Worten gefüllt hat. Es waren Worte, die Erinnerungen formten, Geschichten, Gebete und Zusprüche. Die Worte, sie versahen den Raum mit überwältigenden Gefühlen. Es waren Gefühle der Trauer, der Wut, der Verzweiflung und der Angst, aber auch Gefühle der Erleichterung, der Hoffnung, der Liebe und der Zuversicht. Der Raum wurde gefüllt mit sanften Klängen der Musik, mit dem Gesang von Linda Hadiko und den Tönen der Violine von Jack Sarhan. Die Veranstaltung war genau dafür da, der Traumata der orientalischen Christinnen und Christen damals und heute zu gedenken, darüber zu sprechen, sie öffentlich zu machen und vor allem ihre Erinnerungen zu bewahren und Heilung zu erfahren.

Die St. Quintin Kirche hat als älteste Pfarrkirche der Stadt Mainz eine lange Geschichte hinter sich. Benannt wurde die Kirche nach dem heiligen Quintin, ein römischer Bürger, der für seinen Glauben im Jahr 287 gestorben ist. Inzwischen sind über tausend Jahre vergangen. Noch bis heute müssen Menschen aufgrund ihres Glaubens  sterben. „Die Geister des Genozids, sie kehren zurück. Und sie werden so lange zurückkehren, solange die Vergangenheit nicht aufgeklärt, aufgearbeitet, anerkannt wird (…)“ Eine bittere Feststellung, die Ninve Ergeman als eine der Zeuginnen der Veranstaltung mitteilte.

Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung vom Zentralrat orientalischer Christen in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und der katholischen St. Quintin Gemeinde, die die Räumlichkeiten in Mainz zur Verfügung stellte. Was die Veranstaltung so besonders gemacht hat, war die große konfessionelle Vielfalt, die an diesem Tag gemeinsam vor Ort war. Zum ersten Mal kamen so viele Organisationen und Kirchen zusammen, um die orientalischen Christinnen und Christen zu vertreten. Neben dem Zentralrat Orientalischer Christen, der EKD und der ACK, waren die ZAVD (der Zentralverband der Assyrischen Vereinigung in Deutschland und der Europäischen Sektionen e.V.), die ESU (European Syriac Union), die HSA (ein Dachverband der in Deutschland lebenden Suryoye), Project Peacemaker, die OSEPE (Verband der Vereine der Griechen aus Pontos in Europa), der Stephanuskreis, die Armenisch-Apostolische Kirche, das Salam Center, die Syrisch – Orthodoxe Kirche,  und die Assyrisch-Apostolische Kirche vertreten. Die Veranstaltung wurde außerdem medial für alle zugänglich gemacht und dank SuroyoTV, der an diesem Tag vor Ort war und die Veranstaltung auch für den nahöstlichen Raum übersetzt und verbreitet hat, über die Grenzen von Deutschland hinaus.

Moderiert und durch das Programm geführt hat die Journalistin und Expertin für nahöstliches Christentum Katja Dorothea Buck. Warum diese Gedenkveranstaltung gerade auch für nicht-orientalische Christen und Christinnen von Bedeutung war, darüber sprach Dr. Wolfram Langpape aus der evangelischen Kirche in Deutschland. Er erinnerte an die schrecklichen Verbrechen der Kriegsparteien, an die Verfolgungen und Gewalttaten. Und sprach über die Bedeutung nicht-orientalischer Christen und Christinnen, auf die Erzählungen des Erlebten zu hören, den Schmerz und die Ängste derer zu begreifen, deren Glaube verfolgt und verachtet wird. Daneben erklärte Simon Jacob, Vorsitzender des ZOCD, welchen Einfluss Hate-Speech und Bedrohungen in Social-Media-Kanälen auf ihren Frust, ihre Wut und ihre Ängste haben. „In Deutschland hat man uns gefragt, warum wir so wütend sind? Wir sind deswegen so wütend, weil jene, die uns bedrohen, uns immer wieder vor Augen halten, dass sie es wieder machen würden. Jederzeit. Und überall.“ Trotz der Wut, der ständigen bedrückenden Angst davor, dass etwas passiert, trotz der Menschen, die ihre Angst missbrauchen, instrumentalisieren und für sich nutzen, wendet sich Simon Jacob gegen den Hass. Doch er betonte auch, dass dies nicht einfach ist, wenn keiner ihnen zuhört, sie versteht, wenn sie nicht sie selbst sein dürfen und es ihnen nicht erlaubt ist, dass anzusprechen, was in ihrem Herzen ist.

 

Die Zeuginnen

Insgesamt waren es sechs Zeuginnen, die darüber sprachen, was es heißt, Nachkomme und Überlebende eines Genozids zu sein und was es auch heute noch bedeutet, zu einer Gemeinschaft und zu einem Volk zu gehören, das wegen des eigenen Glaubens brutal verfolgt wurde und manchmal auch noch wird - bis heute. Die Zeuginnen – Isabell Sardaryan, Anastasia Dick, Linda Hadiko, Nina Sargon, Roze Özmen und Ninve Ergemann – sind sechs junge Frauen, die an diesem Nachmittag erzählten. Ihnen zur Seite stand jeweils ein geistlicher Vertreter oder eine geistliche Vertreterin. Heidi Josua, Marius Adrian Cǎlin, Vater Michael Baunacke, Vater Aygik Hovhannisyan, Diakon Georges und Diakon Johannes Sahin haben mit Worten des Trostes, des gemeinsamen christlichen Glaubens, eine Antwort gegeben.

 

Isabell Sardaryan

So erzählte Isabell Sardaryan über ihre Urängste, die sie aufgrund ihrer armenischen Herkunft seit ihrer Kindheit verfolgen. Im Erwachsenenalter war die Angst vorbei und sie war optimistisch, dass es in ihrem Heimatland wieder Frieden geben wird. Doch als im September dieses Jahres der brutale Angriff von Aserbaidschan auf die östliche Grenze von Armenien losging und die Bilder dieser Grausamkeit in den sozialen Medien verbreitet wurden, wurde ihre damalige Angst wieder präsent. „Meine Mutter hat mich angerufen. Sie hat mir gesagt: Isabell, deine Angst war als Kind mehr als nur eine Angst. Du wusstest immer, dass so etwas wieder passieren wird.“ Isabell erklärte, dass diese Gefühle solch einer Urangst für das kleine Volk so signifikant seien, da der Genozid in Armenien bis jetzt keine große Anerkennung und Unterstützung gesehen hatte. Die Angst, dass sich all dies wiederholen wird, sei auch deshalb so enorm, da solch ein gewaltiger Eingriff in Armenien mit einer Bevölkerungsdichte von gerade mal rund drei Millionen Einwohner eine demokratische Katastrophe mit sich bringen würde. „Zum großen Teil fühlen sich die Armenier von der Welt im Stich gelassen. Damals und nun auch heute.“

 
Anastasia Dick

Anastasia Dick ist Griechin, ihre Heimat ist der Pontos, im Norden der Türkei, wo es seit Jahrtausenden Griechen gibt. Ihre Vorfahren wurden vor nicht allzu langer Zeit verfolgt und umgebracht. In ihrem Zeugnis berichtet Anastasia Dick über die Erzählungen ihrer Großmutter, die sie als Kind immer wieder erzählt bekommen hatte. Die Erzählungen befassen sich mit dem Verlust der Heimat und der dramatischen Flucht. Es sind traumatische Erinnerungen, die in ihrer Familie ein Leben lang erhalten geblieben sind und Anastasia Dick als „kostbares Erbstück“ mit nach Deutschland brachte. Anastasia Dick richtete sich zudem an Deutschland und an die Kirche mit der Bitte, sie nicht allein mit ihren traumatischen Erinnerungen zu lassen, ihnen dabei zu helfen, dass solche Gedenkstunden für die Opfer von Flucht und Vertreibung und die Erinnerungen als Prävention für den Frieden weiterhin organisiert werden können. „Denn Gedenkveranstaltungen sind Denkmäler in der Zeit.“

 

Linda Hadiko

Als dritte Zeugin sprach Linda Hadiko über den Verlust ihres Onkels, der 1993 in seiner Heimat Tur Abdin, eine Region im Osten der Türkei, Opfer eines Überfalls geworden ist. Die Täter wurden nie festgenommen und zur Rechenschaft gezogen. Linda Hadiko weiß bis heute nicht, warum ihr Onkel und die anderen Beteiligten sterben mussten und bis heute hat sie diesen Vorfall im Hinterkopf, wenn sie sich in der Region TurAbdin aufhält.

 

Nina Sargon

Wie bei Anastasia Dick die Erzählungen ihrer Großmutter zum Erbstück der Erinnerung wurden, so war es bei Nina Sargon ein Lied ihrer Oma, das sie bis heute prägte. Nina Sargon arbeitet in einem Krankenhaus, in welchem sie eines Tages auf eine russische Patientin traf. „Die Patientin fing an zu singen. Das Lied kenne ich.“ Dieses Lied hatte Kindheitserinnerungen in Nina Sargon hervorgebracht. Ihre Großmutter hatte dieses Lied als Ausdruck ihrer verlorenen Heimat immer wieder gesungen. Sie erzählte über die traumatischen Ereignisse, die ihre Großmutter damals erleben musste und worüber sie nie hinweggekommen ist. Nina Sargon findet es wichtig, nun aus solchen grausamen Geschichten zu lernen, damit solche Ereignisse nie wieder geschehen werden.

 

Roze Özmen

Die Zeugin Roze Özmen sprach über ihre plötzliche Angsterfahrung, die sie auf einer Urlaubsreise mit ihren zwei Kindern und ihrer Nichte nach TurAbdin im Jahr 2017 erfahren hatte. Damals wurden viele Menschen auf dem Weg in die Türkei rausgezogen, die öffentlich Kritik gegen Erdogan und gegen die türkische Regierung ausgeübt hatten. „Durfte ich Angst haben? Wollte ich doch nur Gott vertrauen, dass alles gut gehen würde. Und dennoch sagte mein Kopf: Du musst nachdenken, du musst mit den Kindern reden. Was, wenn doch etwas Schlimmes passiert, (…)?“ Die Reise verlief gut. Doch diese plötzlich auftauchende Angst in ihr beschäftigte Roze Özmen sehr. „Das sind diese Ängste, die uns in die Wiege gelegt wurden. (…) Wann werden wir diese Opferrolle hinter uns lassen?“ Sie kam zu dem Entschluss, sich nicht von ihren Ängsten abhalten zu lassen. Vielmehr sieht sie es als Aufgabe, unsere nächste Generation wissen zu lassen, was sie erlebt hatten, aber auch was für Schönheiten ihr Heimatland bietet. Sie möchte das, was sie von den Vorfahren gelehrt hat, ihren Kindern weitergeben, aber nicht hasserfüllt, sondern mit der Kraft der Liebe.

 

Ninve Ergeman

Als letzte Zeugin trat Ninve Ergeman auf. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, ihre Familie ist assyrischer Herkunft. Ihr wurden als kleines Kind immer wieder vom Völkermord, Landraub und Vertreibung erzählt, bis sie es selbstständig in den Medien sehen konnte. Ninve Ergeman erklärte, warum sie alsgut situierte, in Deutschland geborene Frau nicht wegschauen möchte. „Unpolitisch sein, ist ein Privileg. Natürlich sind viele von uns hier geboren und aufgewachsen und haben Krieg nicht miterlebt. Doch das Trauma unserer Eltern, unserer Großeltern wurde auch an uns Kinder weitergegeben. Es ist ein Teil von uns, ob wir wollen oder nicht“ Dies ist aber nicht der einzige Grund, der Ninve dazu drängt zu handeln und eben nicht wegzuschauen. Sie sagt, die Christenverfolgung geht uns allen etwas an, denn es betrifft die Religionsfreiheit, und Menschenrechte müssen immer verteidigt werden. Das ist auch neben Frieden und Freiheit, das Wichtigste in ihrem Leben. 

Auf all die Erzählungen der Zeuginnen, antwortete ein geistlicher Vertreter oder eine Vertreterin jeweils mit einem Psalm, einem Gedicht oder mit Zusprüchen des christlichen Glaubens zu den Themen Angst, Rache und Sühne, Hass, Vergebung, Liebe und Frieden. So stellte Vater Michael Baunacke die Frage, wohin all unserer Wut und Enttäuschungen gehen sollen. Er suchte Antworten in der Bibel. Denn schon im Alten Testament findet man in den heiligen Texten Zuspruch: „Mein ist die Rache“, spricht der Herr. Vater Michael Baunacke erklärte, dass damit nicht ein rachsüchtiger Gott verkündigt wird, sondern ein Gott, der uns entlasten will und uns verspricht: „Mein ist die Rache.“ „Ich nehme deine Wut und deinen Hass ernst. Überlasse es mir“. Auch im neuen Testament lehrt Jesus die Jünger und Jüngerinnen zum Thema Wut und Hass und sagt: „Segnet eure Feinde, verflucht sie nicht“.  Und Vater Michael Baunacke betonte damit, dass das die Zumutung der Alternative unseres Glaubens sei. Über das Thema Liebe sprach Diakon Georges in einem Gedicht, welches er auf assyrisch vorgetragen hat, und wandte sich mit einem persönlichen Anliegen an die Zuhörer. Es ging über die Grausamkeiten, die Genozide und all die damit verbundene Wut und Trauer. Doch er appelliert daran, unseren Auftrag als Christen, um Heilung zu sorgen, aber nicht um Rache, nicht zu vergessen „Wir sind ein Volk des Friedens und der Liebe und wir wollen Frieden und Liebe in unseren Ländern und in allen Ländern auf der Welt. Wir blicken auf den Tag, an dem alle Kriege enden und endlich Liebe und Frieden einkehrt in dieser Welt.“

Mit der letzten Zeugin und den Antworten der Geistlichen wurde deutlich, dass trotz der unterschiedlichen Erfahrungen, die sie gemacht hatten und ihrer meist unterschiedlichen Herkunft sie ein und dasselbe Schicksal verbindet. Sie erinnern alle an das Leid eines ganzen Volkes, an das Leid aller orientalischen Christinnen und Christen damals - aber auch heute. Wie Katja Dorothea Buck, Moderatorin der Veranstaltung, sagte: „Sie tun es, damit dieses Leid und dieses Schicksal hier in Deutschland gehört und nicht vergessen wird. Sie lassen uns nicht-orientalische Christinnen und Christen teilhaben und nehmen uns in die Verantwortung, gemeinsam die Erinnerungen wach zu halten und zu bewahren.“ Die Gedenkveranstaltung war ein Tag der Erinnerung und der Heilung und gleichzeitig diente dieser Tag als Mahnung und des Werdens.

 

Symbole der Hoffnung

Nach dem gemeinsamen Singen des „Vaterunsers“ auf Aramäisch und einem Segen von Heidi Josua überreichte der ZOCD Vater Michael als Andenken und Mahnmal für die St. Christoph Kirche in Mainz einen Gedenkstein aus der vom IS in Mossul zerstörten und von Muslimen und Christen befreiten St. Ephräm Kathedrale. Simon Jacob brachte den Stein aus dem besagten Gotteshaus 2018 aus Mossul mit nach Deutschland. Dieser Stein wurde mit acht Gedenktafeln geschmückt, graviert in den sieben Sprachen Englisch, Deutsch, Griechisch, Arabisch, Türkisch, Armenisch, Ostsyrisch- und Westsyrisch mit dem folgenden Text: "Mor Ephräm – Irak, Mossul - am 04. Juni 2014 vom Islamischen Staat eingenommen und entehrt. Januar 2017 von Irakern, Muslimen und Christen aus den Händen des Islamischen Staates befreit. Dieser Gedenkstein als Teil der Kirche in Mossul soll uns auf ewig daran erinnern, dass das, was zerstört wurde, gemeinsam wiederaufgebaut werden kann. Simon Jacob, 19. November 2022, Mainz"

 

Ein letzter Akt

Die Veranstaltung war hier noch nicht vorbei. Ein Freund von Simon Jacob, Nihat Demir, muslim- und kurdisch-türkischer Abstammung, kam als überraschender letzter Zeuge noch zu Wort. Er berichtete von einer wahren Erzählung über einen Mord an einen „Ungläubigen“, die ihm einst erzählt wurde. „Ich wusste, dass es nicht richtig ist, das kann nicht richtig sein. Meine Vorfahren haben vielleicht deiner Familie Unrecht getan, aber ich als Nachfahre kann das leider nicht mehr ungeschehen machen und auch du als Nachfahre kannst diese Vergangenheit nicht ändern. Aber lieber Simon, wir als Nachfahren, wir können diesen Fehler vermeiden, diese Wiederholung der Geschichte vermeiden. Das, was passierte, das tut mir aufrichtig leid und weil ich so empfinde, liebe Gemeinde, möchte ich mit dir Simon und auch mit allen anderen Anwesenden eine bessere Zukunft gestalten. Eine Zukunft, die Platz für uns alle hat. Nicht, um das Geschehene zu vergessen, aber um daraus zu lernen, damit so etwas wie ein Völkermord, Genozid oder die wahre Begebenheit, die ich erzählte, nicht noch einmal geschieht. Denn egal, woran wir glauben, egal, welche Sprache wir sprechen und auch egal, welche ethnische Herkunft wir sind, so etwas darf in der Welt der Menschlichkeit nicht passieren.“ Nihat Demir wies als letzter Zeuge darauf hin, wie schmerzhaft es war zu wissen, was Christen in der Vergangenheit angetan wurde und wie wichtig es nun ist, gemeinsam an einer Zukunft geprägt von Liebe, Hoffnung und Frieden zu arbeiten. Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, überreichte seine Frau Vater Michael einen kleinen Olivenbaum.

Als Zeichen des Friedens hat der Olivenbaum neben dem Gedenkstein von Simon Jacob aus Mossul in der St. Christoph Kirche seinen Platz gefunden, um nicht zu vergessen, um zu erinnern, aneinander zuzuhören, aufeinander zuzugehen, gemeinsam eine friedvolle Zukunft zu gestalten und endlich Heilung zu erfahren. Nur gemeinsam können wir wieder Licht in diese Dunkelheit bringen.