Autor: Simon Jacob
Ort: Berlin, Deutschland
Kategorie: Artikel
Rubrik: Extremismus, Politik
Datum: 26.03.2013
Portal: www.simonjacob.info
Textdauer: ca. 5 Min.
Sprache: Deutsch
Titel: Zusammentreffen mit Vertretern der altorientalischen Kirchen und dem Innenminister am 22.03.2013 in Berlin zum Thema „syrische Flüchtlinge“ 
           
 
      
   

Zusammentreffen mit Vertretern der altorientalischen Kirchen und dem Innenminister am 22.03.2013 in Berlin zum Thema „syrische Flüchtlinge“           

Deutschland nimmt in diesem Jahr weitere 5000 Flüchtlinge auf. Kriterium für die Aufnahme ist eine „besondere Schutzbedürftigkeit“, unter der auch zahlreiche Mitglieder verschiedenster christlicher Konfessionen in Syrien fallen.

Am 23.03.2013 kamen deswegen Vertreter der verschiedenen Kirchen auf Einladung des Innenministeriums zusammen, um über die Vorgehensweise zu beraten. Neben Vertretern der Syr.-Orth. Kirche, der griechisch Orth.-Kirche, der Katholischen Kirche und Evangelischen Kirche, nahm auch der Integrationsbeauftragte der Syr.-Orth. Kirche und Vorsitzende des „Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland – ZOCD“, an den Gesprächen teil.

Schnell waren sich alle Parteien einig, was von Herrn Friedrich noch einmal ausdrücklich betont wurde, nämlich dass nicht nur Christen, sondern auch weitere Minderheiten aus Syrien schutzbedürftig sind.

Trotzdem oblag es den anwesenden Kirchenvertretern die „besondere Schutzbedürftigkeit“ der christlichen Minderheiten noch einmal ganz klar zu begründen. Denn die einige Tage zuvor von der SPD kritisierte Flüchtlingspolitik der Innenminister kann nicht nachvollzogen werden, im Anbetracht der aktuellen Situation, in der sich gerade die Christen in Nahen Osten befinden. Immer die Entwicklungen im Irak vor Augen, mahnten die Vertreter der Kirchen die Fehler nach der zweiten Irakintervention nicht zu wiederholen.

Christliche Flüchtlinge haben Schwierigkeiten, in den regulären Flüchtlingsbehausungen untergebracht zu werden. In den meisten Lagern, ob nun in der Türkei oder in Jordanien, werden die Bedürftigen nach muslimischen Konfessionen untergebracht. Aus Angst vor Repressalien, die immer wieder vorkommen, flüchten die Christen in die Kirchen, Klöster oder zu anderen christlichen Familien in den angrenzenden Anrainerstaaten. Immer im Verdacht stehend Kollaborateure des Assad – Regimes zu sein und Anfeindungen ausgesetzt, bleibt ihnen keine andere Wahl als diese inoffizielle Hilfe, die durch Spendengelder finanziert wird, anzunehmen. Dabei sollte erwähnt werden, dass die Kirchen auch nichtchristliche Flüchtlinge aufnehmen, die in den regulären Auffangbehausungen keinen Platz finden.

Die Kritik Herrn Gabriels ist unter diesem Aspekt nicht zu verstehen. Es ist nicht davon auszugehen, dass in Katar, Saudi Arabien oder dem Iran Christen willkommen sind. Begrenzt ist dies vielleicht noch im Libanon der Fall. Doch dieses Land hat mit seinen eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Wenn Herr Bundesinnenminister Friedrich sagt, dass Christen im Nahen Osten eines besonderen Schutzes bedürfen, so entspricht dies den aktuellen Tatsachen. Herr Gabriel ist herzlich eingeladen, sich vor Ort davon zu überzeugen.

Die Entscheidung der Länderinnenminister ist daher objektiv. Dies wird leider durch die Fakten im Irak und anderen Länder des Nahen Ostens immer wieder bestätigt.

Christen sind in vielen Ländern des Nahen Ostens unerwünscht.

Trotzdem, oder gerade deswegen, wünscht sich die BRD eigentlich ein sicheres Leben der christlichen Minderheiten in diesen Regionen. Die Aufnahme der erwähnten Flüchtlinge soll die größte Not mildern. Ziel ist es, den Frieden und das Zusammenleben aller Religionen im Nahen Osten zu sichern und zu fördern. Dazu gehören auch die Christen.

Die Orientalischen Christen und der ZOCD haben sich bereit erklärt, dem Innenministerium und dem UNHCR, bei der Bewältigung der Flüchtlingsaufnahme- und Verteilung in der BRD behilflich zu sein. Dabei soll zukünftig besonders darauf geachtet werden, Flüchtlinge nahe der in der BRD bereits existierenden Gemeinden der altorientalischen Kirchen unterzubringen. Damit ist gewährleistet, dass die bereits in der dritten, vierten Generation hier lebenden deutschen Staatbürger und Angehörige der verschiedenen altorientalischen Kirchen beim Integrationsprozess und dem Überwinden sprachlicher Barrieren behilflich sind. Die Bewältigung dieser Aufgabe sieht der ZOCD als Pflicht der altorientalischen Kirchen an, die ein Teil Deutschlands sind.

Die Schnittstelle als Flüchtlingsbeauftragter der Syr.-Orth. Kirche, der zahlenmäßig größten altorientalischen Konfession in Deutschland, bildet Bischof Dr. Julius Hanna Aydin. Die Schnittstelle innerhalb des ZOCD bildet Professor Dr. theol. Wolfgang Schwaigert, der Mitglied im Bereit des ZOCD ist. Ebenfalls steht Dr. Philipp Hildmann von der Hans Seidel Stiftung, die in im letzten Jahr zum Thema „Naher Osten“ und „Syrien“ mehrere Veranstaltungen organisiert hat, dem noch auszubauenden Flüchtlingsstab zur Verfügung. Herr Dr. Hildmann ist aktiv im Beirat des ZOCD tätig.

Unter der Mailadresse fluechtlinge@zocd.de kann man den Flüchtlingsstab erreichen.

Der ZOCD wird auf der Website www.zocd.de unter dem Newsbereich über die aktuellen Ereignisse informieren.

 

München den 26.03.2013,

Simon Jacob,

Vorsitzender des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland e.V.