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Autor: Lilyana Cello
Ort: Deutschland, Berlin
Kategorie: Artikel
Rubrik: Gesellschaft, Extremismus
Datum: 20.06.2018
Portal: www.zocd.de
Textdauer: ca. 6 Minute
Sprache: Deutsch
Titel: Gedenktage sind Denkmäler in der Zeit
   

„Gedenktage sind Denkmäler in der Zeit“

Mit diesen Worten begrüßte Bundesinnenminister Horst Seehofer am 20. Juni 2018 die Teilnehmer der Gedenkstunde für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Zum dritten Mal in Folge würdigte die Bundesregierung mit einem nationalen Gedenktag die Opfer von Flucht und Vertreibung. Ziel dieses Gedenktages ist es, die Themen Flucht und Vertreibung im gesellschaftlichen Bewusstsein zu stärken und historisches sowie aktuelles Geschehen diesbezüglich zu vergegenwärtigen. Mit dem Datum knüpfte die Bundesregierung an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen an und erweiterte das Flüchtlingsdenken um das Schicksal der Betroffenen. Neben Vertretern aus Politik wie Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Bundesinnenminister Horst Seehofer, MdB Volker Kauder und Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner waren auch Vertreter der Kirche sowie der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland, vertreten durch den Friedensbotschafter Johannes be Isa und Lilyana Cello, im Deutschen Historischen Museum in Berlin anwesend.

Bundesinnenminister Horst Seehofer betonte bei seiner Begrüßung die Bedeutung eines solchen Gedenktages und gedachte der Vertriebenen vor 70 Jahren. „Nur wer das Schicksal dieser Vertriebenen kennt, kann das Leid der Flüchtlinge unserer Tage nachempfinden“, erklärte er, „und dieses Schicksal gehört zur Geschichte vieler Familien“. Der emeritierte Weihbischof Pieschl, der zur Erlebnisgeneration der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg zählt, zeigte auf, wie wichtig es ist, die leidvollen Erfahrungen an die nachfolgenden Generationen weiterzutragen. Es gehe dabei nicht nur um die Erinnerung an Vergangenes, sondern diese Erfahrungen wirken in die Gegenwart und prägen die Zukunft. Besonders eindrucksvoll war der Erfahrungsbericht des 40-jährigen Arunagirinathan, der im Jahre 1991 allein von Sri Lanka nach Deutschland geflohen war und nun als Arzt in Deutschland tätig ist. Als Sprachrohr für die Vertriebenen erzählte er seine berührende Fluchtgeschichte und betonte, wie bedeutsam es sei, den Dialog zwischen Flüchtlingen und Deutschland zu fördern. Bundeskanzlerin Merkel ergriff das Wort und bot einen geschichtlichen Abriss zum Thema Flucht und Vertreibung im Rahmen des Zweiten Weltkrieges. An diesem Gedenktag sei es von immenser Bedeutung, die Stimme der deutschen Heimatvertriebenen der Kriegszeit, aber auch die Stimme der Menschen, die heute auf der Flucht sind, gleichermaßen zu hören. Ende 2017 war die Zahl der Geflüchteten mit 68,5 Millionen so hoch wie noch nie nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Zahl zeige, dass Flucht eine zentrale und globale Frage unserer Zeit sei. Deutschland stehe sowohl zu seiner humanitären Verantwortung, Menschen zu schützen, als auch zu seiner Verantwortung für den Zusammenhalt in Europa. Migration müsse gesteuert werden und nach klaren Standards erfolgen, die möglichst gemeinsam in der europäischen Union festgelegt werden. Des Weiteren lenkte die Bundeskanzlerin die Aufmerksamkeit auf die außereuropäische Dimension dieser Thematik. „Wir müssen die Wurzeln von Flucht und illegaler Migration angehen und deshalb investieren wir in die Förderung von Frieden und Stabilität von Herkunftsstaaten, fördern Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Bildung“, erläuterte Merkel und machte dabei exemplarisch auf die Situation in Syrien aufmerksam. Es dürfe keinesfalls vergessen werden, dass es bei all dem um Menschen gehe, die unverschuldet in Not geraten seien. Aus diesem Grund ist der Gedenktag bewusst den Opfern gewidmet. Die Erinnerung an die deutschen Heimatvertriebenen kann helfen, sich heutigen Fragen von Flucht und Vertreibung offen zuzuwenden. Auch wenn die Vertreibung von früher und heute nicht gleichzusetzen sind, bestehen Parallelen in den Fluchterlebnissen, im Heimatverlust und den Angstgefühlen. Merkel zitierte am Ende ihrer Ansprache den Dichter Herder: „Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss“ und erweiterte dessen Aussage mit den Worten „Auch da, wo man sich erklären muss, kann man eine neue Heimat finden“. Dafür müsse man jedoch Verstehen, Verständigung und Versöhnung in den Mittelpunkt rücken, so die Bundeskanzlerin.

Zum Abschluss gedachte der Präsident des Bundes der Vertriebenen Dr. Bernd Fabritius der Vertriebenen und besonders der Verstorbenen aller Zeiten in der Historie Deutschlands und bedankte sich bei der Bundesregierung für die Errichtung dieses würdigen Gedenktages.

Auch der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland begrüßte die Initiative zur Gedenkstunde für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Seit seiner Gründung widmet sich der ZOCD ebenso dieser Thematik und ist bestrebt, diesbezüglich weiterhin politisch nachhaltig tätig zu werden.

 

Lilyana Cello