Eröffnung der größten Kathedrale des Nahen Ostens in der neuen Hauptstadt Ägyptens

 

Pünktlich zur koptischen Weihnachtsmesse wurde am 06.01.2019 in der neuen administrativen Hauptstadt Ägyptens, ca. 45 km südöstlich von Kairo, die neue koptisch-orthodoxe Kathedrale der Geburt Christi eröffnet. Die Kathedrale verfügt unter anderem über eine Kirche für ca. 1000 Personen im Erdgeschoss, zwei 64 m hohe Kirchtürme, eine Hauptkuppel mit einem Durchmesser von 42 m, welche 41 m hoch in den Himmel ragt, 26 weitere Kirchkuppeln, eine Papst-Residenz, Konferenz- bzw. Veranstaltungsräumlichkeiten sowie ein Parkhaus. Die neue Hauptkathedrale der Koptisch-Orthodoxen Kirche ist ca. 8100 m² groß und somit drei Mal größer als die St. Markus-Kathedrale in Kairo und bietet bis zu 8 000 Personen Platz. Vor lediglich zwei Jahren hatte Präsident Al-Sisy den Bau der neuen Kathedrale während seiner Weihnachtsansprache in der St. Markus-Kathedrale bekanntgegeben. Am selben Abend wurde ebenso die Moschee Al Fatah Al Alim eröffnet. Sie gilt als größte Moschee Ägyptens und des Nahen Ostens und verfügt unter anderem über vier 95 m hohe Minarette, eine Hauptkuppel mit einem Durchmesser von 32 m, vier Nebenkuppeln mit einem Durchmesser von 11 m und bietet 17 000 Personen Platz.

Die Kopten sind die Nachfahren der alten Ägypter, welche durch den heiligen Evangelisten Markus ca. im Jahre 61 n. Chr. christianisiert wurden. Mit schätzungsweise bis zu 40 Millionen und mindestens 30 Millionen Mitgliedern (inklusive heimlicher muslimischer Konvertiten) und einer Gesamtbevölkerung Ägyptens von ca. 98,8 Millionen Menschen, (https://countrymeters.info/de/Egypt) stellen sie die letzte große christliche Gemeinschaft des Nahen Ostens. Des Weiteren sind Mitglieder der Katholischen und der Evangelischen Kirche vertreten. Offizielle Zahlen werden aus Gründen der „nationalen Sicherheit“ nicht bekanntgegeben. Die Koptisch-Orthodoxe Kirche trägt den Beinamen „Kirche der Märtyrer“, da sie seit Ihrer Gründung im 1. Jahrhundert und bis heute für Jesus Christus mit ihrem Blut Zeugnis ablegt.

In den vergangenen Jahren kam es regelmäßig zu tödlichen Terroranschlägen gegen die Christen Ägyptens. Damit erhoffen sich ausländische Mächte unter anderem, die Christen gegen ihre Regierung sowie die muslimischen Mitbürger aufzubringen und so das Land ins Chaos zu stürzen und zu schwächen. Besonders seit der Absetzung des islamistischen Präsidenten Mursi am 03.07.2013, welcher eine zivile Unterschriftensammlung der jugendlichen Protestbewegung „Tamarod“ (Rebellion) vorausgegangen war, bei der mehr als 22 Millionen Unterschriften gegen Mursi gesammelt wurden und mehr als 33 Millionen Demonstranten über mehrere Tage in ganz Ägypten, in welcher die Christen eine bedeutende Rolle bei dessen Entmachtung spielten bzw. zahlreich teilgenommen haben. Zugleich wollte man die Christen für ihre immens starke Beteiligung an dem Wahlsieg Al-Sisys bestrafen. So wurden sie noch massiver zur Zielscheibe radikaler Islamisten u. a. auch von bewaffneten Armeen der zwischenzeitlich als Terrororganisation eingestuften Muslimbruderschaft. Als Antwort auf diverse Terroranschläge auf beide Religionsgruppen, insbesondere nach dem größten Anschlag der Geschichte des Landes auf eine Moschee in der Nähe von El-Arish am 24.11.2017, rief Al-Sisy die Anti-Terror-Kampagne „Sinai 2018“ ins Leben. Dabei wurden mehrere hundert Terroristen getötet sowie unzählige Waffen aller Art sichergestellt.

Am Abend der Weihnachtsmesse wurden drei wichtige Reden von Seiner Heiligkeit Papst Tawadros II. während der Eröffnung der Moschee, von Seiner Eminenz Groß-Scheich Ahmad Mohammad Al-Tayyeb während der Eröffnung der Kathedrale sowie von dem Präsidenten Abdel Fattah Al-Sisy in der Kathedrale gehalten.

Papst Tawadros sprach von einem unvorhersehbaren Tag in der Geschichte Ägyptens. Es sei ein gesegneter Tag der Freude, an dem Ägypten eine neue Seite seiner imposanten Geschichte schreibe. Er schloss seine Rede mit einem Gebet für die Nächstenliebe und Einheit der Ägypter sowie für den Schutz Gottes für den Präsidenten bei der Führung des geliebten Landes ab.

Im Anschluss hielt Groß-Scheich Ahmad Mohammad Al-Tayyeb seine Rede bei der Eröffnung der Kathedrale, welche bisher noch nie enthaltene Worte enthielt. Er meinte, dass der Islam den Muslimen den Schutz der Moscheen vorschreibe, gleichermaßen aber auch den Schutz der Kirchen. Dies sei keine Schmeichelei, sondern basiere auf eine Sure im Koran und sei somit ein Rechtsurteil.

Es folgte die Rede des Präsidenten Al-Sisy in der Kathedrale. Er sprach von einem bedeutenden Tag in der Geschichte der Ägypter. Ebenso beschwor er die Einheit des gesamten Volkes. Al-Sisy fügte hinzu, dass die Bedeutung, welche heute festgehalten werde, der Baum der Liebe sei, welchen die Ägypter zusammen eingepflanzt haben. Dieser bedarf noch Pflege, bis dessen Früchte aus Ägypten in die ganze Welt getragen werden, die Liebe, die Vergebung und die Brüderlichkeit unter den Menschen. Er warnte davor, dass die Versuche der religiösen Spaltung der Ägypter nicht aufhören würden und dass jedoch die Vorsicht und das Bewusstsein essenziell seien. Anschließend zitierte er S. H. Papst Tawadros aus dem Jahr 2013, nachdem die terroristische Muslimbrüderschaft Kirchen und Klöster in ganz Ägypten zerstört haben. „Eine Nation ohne Kirchen ist erhabener, als Kirchen ohne eine Nation“. Al-Sisy sagte, dass er dieses Zitat S. H. Papst Tawadros für immer in Erinnerung behalten werde. Zum Abschluss seiner Rede forderte Al-Sisy alle Ägypter auf, ihr Land zu beschützen.

 

Markus Meleka

Vorstandsmitglied